Glocken der Johanniskirche

Große Glocke (Betglocke), mittlere Glocke, kleine Glocke (Taufglocke)

(v.l.n.r) Mittlere Glocke, Große Glocke (Betglocke), Kleine Glocke (Taufglocke)

Die große Glocke wird auch Betglocke genannt, weil sie uns zu allen Gebetszeiten ruft. Weil die erste große Glocke beim Kirchenbau von einem Gögginger Bürger gestiftet worden ist, wurde sie auch „Stiftungsglocke“ genannt. Auf ihr war ein Christusbild zu sehen. Sie überstand zwar den 1. Weltkrieg, wurde aber im 2. Weltkrieg, wie tausende Glocken ebenso, abgehängt und eingeschmolzen. Aus dem Kupfer wurden Bombenzünder und Führungsringe für Granaten gemacht. Lange hatte sich der Kirchengemeinderat gegen diese Zwangsmassnahmen gewehrt. Letztlich konnte er es aber dennoch nicht verhindern, dass diese Stiftungsglocke im Jahr 1942 auch abgehängt und eingeschmolzen wurde.

In diesem Moment erinnerten sich viele Gemeindemitglieder schmerzlich an die mittlere und kleine Glocke und daran, dass diese beiden Glocken bereits im 1. Weltkrieg dem Krieg zum Opfer fielen.  Nun war es also wieder soweit und die Menschen meinten, dass die damalige Nationalsozialistische Regierung unter der Führung Adolf Hitlers das Wort Gottes vollends unterdrücken und verstummen lassen wollte.

Unsere beiden Glocken gehören zu den 47.000 Kirchenglocken, die nach dem Ende des Krieges nicht mehr zurückkamen.

Die neue Glocke wurde 1950 angeschafft. Die Kosten betrugen damals 3.129 DM. Sie ist im eingestrichenen A gestimmt, hat einen Durchmesser von 94 cm und wiegt 460 Kilogramm. Sie hat mehrere Inschriften. Die Wichtigste lautet: „Ach bleib bei uns Herr Jesus Christ!“.

Die große Glocke läutet bei folgenden Anlässen: Beim Vorläuten (eine Stunde vor Gottesdienstbeginn) und beim Zusammenläuten 10 Minuten vor Gottesdienstbeginne. Dieses Läuten erinnert an die Bitte „Komm Heiliger Geist“. Früher brauchte man aus allen Häusern in Göggingen zu Fuß nicht mehr als 10 Minuten um in der Kirche zu sein.

Außerdem läutet sie mit allen anderen drei Glocken am Samstag oder vor einem Feiertag um 15.Uhr (Winterzeit) und um 16.00 Uhr (Sommerzeit). Dieses Einläuten will uns auf den Gottesdienst am Sonntag oder einen Feiertag vorbereiten. Es legt uns auch die Bitte um Gottes Segen für die Predigtvorbereitungen der Pfarrerin oder des Pfarrers an Herz, ebenso für die Hörer der Predigt.

Die Betglocke läutet während des Gottesdienstes immer beim Vaterunser-Gebet. Alle Menschen in der Gemeinde sollen dadurch hören, dass bei diesem Läuten das Vaterunser gebetet wird. Gerade auch diejenigen, die krank, schwach und einsam sind und nicht (mehr) kommen können, sind dadurch eingeladen im Stillen und aus der Ferne mitzubeten. Die Betglocke läuten zudem noch zu drei Zeiten am Tag:

  • Jeden Morgen um 5.30 Uhr
    Das erinnert an die Auferstehung Christi und stellt unser Leben ins Licht des nahenden Gottestages.
  • Mittags um 12.00 Uhr
    Ihr Läuten ist der Ruf zum Gebet für den Frieden.
  • Und dann gibt es noch das Nachmittagsläuten.
    Ab dem Sankt Georgstag (23.April)  („Jörgestag“) läutet es um 16.00 Uhr und ab dem Michaelistag (29. September) bereits um 15.00 Uhr. Es erinnert die Todesstunde Jeus und wird auch Vesperläuten genannt.
  • Das Abendläuten oder Betläuten richtet sich nach dem Einbruch der Dämmerung. Es wird aber nie früher als 18.00 Uhr und nie später als 20.00 Uhr geläutet. Es erinnert an den Abend des Lebens und den Abend der Welt.

Die mittlere Glocke die erst wurde 1898 aufgehängt und wie die kleine Glocke im 1. Weltkrieg eingeschmolzen. 1922 wurde sie durch eine Stahlglocke ersetzt. Im 2. Weltkrieg war diese Glocke dann als einzige Glocke übrig. Im Zusammenklang mit den neuen Bronzeglocken im Jahr 1950 störte ihr Klang jedoch. Nach einer Haussammlung (1964) konnte der Auftrag für einen neuen Glockenguss vergeben werden. 1965 wurde dann die neue Glocke aufgehängt. Seitdem ist das Geläut wieder vollständig und harmonisch.

Allein hören wir die mittlere Glocke nur beim Vorläuten am Samstag oder vor Feiertagen, wenn die halbe Stunde schlägt.

Die Stahlglocke von 1922 steht seit 1965 vor der Kirche.

Die mittlere Glocke besteht aus 262 Kg Kupfer und 74 Kg Zinn. Sie ist im eingestrichenen H gestimmt und wiegt insgesamt 336 Kg.

Auf ihr ist ein Bild angebracht: Ein Kreuz auf der Weltkugel. Die Inschrift lautet: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Die kleinste Glocke ist die Taufglocke.

Sie wurde im 1. Weltkrieg 1917 zusammen mit der mittleren Glocke abgehängt und für Waffen verwendet. Nach 1919 wurde ein neue kleine Bronzeglocke  angeschafft, die dann im 2. Weltkrieg wieder eingeschmolzen wurde.

Die kleinste Glocke, die heute hängt, wurde wie die anderen beiden Glocken von der Firma Bachert (Kochendorf) gegossen und 1950 aufgehängt. Die Firma Bachert hat auch die Glocken der Dresdner Frauenkirche angefertigt. Sie hat 1.480 DM gekostet. Gestimmt ist sie auf ein zweigestrichenes D. Sie hat einen Durchmesser von 68 cm und wiegt 185 Kg.

Die Inschrift unserer Taufglocke lautet: „Allein Gott in der Höh sei Ehr.“

Übrigens: Glocken sind zunächst nichts typisch Kirchliches oder Christliches. Auch heute gibt es Glocken in vielfältiger Form. An Haustüren, auf Rathaustürmen, und an Rinderhälsen auf der Weide. Und nicht zu vergessen die vielen Glocken zur Weihnachtszeit. Die Glocken wollen für jemanden Gehör verschaffen. Oder: Jemand will sich Gehör verschaffen. Die Kirchenglocken kündigen an, dass Gott reden will. Sie sagen uns: Vergiss den Gottesdienst und das Gebet nicht.

Glockensegen: (wurde früher beim 3-Uhr-Läuten gesprochen)

Komm in diesem Glockensegen,
Herr, du allen uns entgegen,
dass wir gehen in deiner Gnad,
eh` der finstre Abend naht.
Tu dein Licht zu unseren Händen, dass wir treu das Werk vollenden
Bis du, der du ewig wachst,
bei uns allen Abend machst.

Albrecht Goes (1908–2000) Dichterpfarrer und Humanist.